Forschungszentrum Hermeneutik und Kreativität

Prof. Dr. Tinka Reichmann, Translationswissenschaft - Universität Leipzig
Prof. Dr. Alberto Gil, Romanische Übersetzungswissenschaft - Universität des Saarlandes
Geschäftsführung: Dr. Larisa Cercel
Vertrauen ist überhaupt nur möglich, wo Wahrheit möglich ist, wo Menschen sich mit Verbindlichkeit für Dritte über Selbes verständigen können. Wahrheit erleichtert diese Verständigung und damit die Reduktion der Komplexität, durch die Unterstellung, dass auch Dritte diese Auffassung für richtig halten können!

Niklas Luhmann

Forschungsschwerpunkte

Die Konzeption der in Rhetorik und Ethos erforschten und gelehrten Rhetorik geht vom klassischen Verständnis des Redners als „ein guter Mensch, der im Sprechen ein Experte ist“ (vir bonus dicendi peritus, Cato) aus, d. h. zu einer ausgefeilten Redetechnik gehört untrennbar die Autorität und Glaubwürdigkeit des Redners.

 

Entsprechend bilden den Gegenstand der Forschung drei Säulen:

 

 1. Anthropologisch-ethische Grundlagen

Nach dem aristotelischen Prinzip der drei Beweismittel – Ethos, Logos und Pathos – sind zwei Drittel der zu erbringenden Überzeugungsinstrumente philosophisch-anthropologischer Natur: Ethos meint die Glaubwürdigkeit des Senders und Pathos die beim Empfänger zu erweckenden Emotionen. Zwei philosophische Schwerpunkte erweisen sich zu deren Erforschung als besonders erhellend und hilfreich: der Personalismus, unter besonderer Berücksichtigung des dialogischen Denkens, und die Tugendethik.

 

Zum Du wird mir der andere erst dann, wenn die einfache Subjekt-Objekt-Beziehung aufhört. Der erste Schritt zum Du ist jene Bewegung, welche 'die Hände wegnimmt' und den Raum freigibt, worin die Selbstzweckdienlichkeit der Person zur Geltung kommen kann.

Romano Guardini

2. Argumentation und Diskursanalyse

Der Logos bzw. der argumentative Teil der Rede folgt nicht immer den Gesetzen der philosophischen Logik. Argumentative Mittel der Rhetorik weisen eigene Charakteristika auf und sind im Gesamtzusammenhang der klassischen Teile der Redekunst (partes artis) zu sehen. Diese immerwährenden Prinzipien der rhetorischen Technik werden mit den neueren Erkenntnissen der Textwissenschaft und Diskursanalyse vertieft und ergänzt.

 

3. Kulturvergleich und Kulturtransfer

Bestehende universitäre und kommerzielle Rhetorikinstitute und -schulen befassen sich hauptsächlich mit rhetorischen Themen in der jeweiligen Sprache und Kultur. Das Saarland – als Grenzregion – ist geradezu prädestiniert, den europäisch-vergleichenden Ansatz zu verfolgen. Der Lehrstuhl für Romanische Übersetzungswissenschaft verfügt über fundierte Kompetenzen, um spezielle internationale und interkulturelle Fragestellungen eingehend zu untersuchen und zu thematisieren.

 

 


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